Haere rā.

Es hat einige Zeit gedauert vom letzten bis zu diesem Post. Wir sind umgezogen, haben alles erledigt, das neue Haus ist was es versprach: Hell, freundlich, warm. Der Garten ist toll, Zitronen und Grapefruit wachsen an den Bäumen, Palmen spenden Schatten und rascheln im Wind, es ist kein Verkehr zu hören, der Garten hat viel Platz zum spielen. Die Nachbarschaft ist umwerfend nett und freundlich und morgen, da kaufen wir das letzte, was zum Kiwi-Leben noch fehlt: ein BBQ. Denn bereits gegen Mittag kommen die ersten Freunde zum grillen. Richtig, Freunde, denn wir haben Anschluss gefunden, in knapp 6 Monaten die wir nun hier sind. Nächste Woche geht für Anton und Emil der neue Kindergarten los, sie freuen sich schon denn nach den ersten Besuchen wissen sie, wohin es geht und dass es dort schön ist. Der Sommer meldet sich langsam und hier tragen alle Sandalen.

Und noch etwas ändert sich. Etwas gewaltiges. Etwas (für mich) fast undenkbar Grosses. Denn dieser Blog endet hier.

Seit Februar 2012 schreibe ich fast täglich über alles, was uns bewegt. Kinderwunschtherapie, Zwillingsschwangerschaft, das Leben mit zwei Säuglingen, ein grosser Traum, eine Auswanderung ans Ende der Welt, das Leben in Neuseeland. Dieser Blog war tägliche Therapie in jedem Auf und Ab meines Lebens mit Rat und Tat von hunderten von Leserinnen, aber auch Kritik und Denkanstößen für die ich sehr dankbar bin. Jeden Tag wollte und habe ich geschrieben und jeder Post war mir wichtig, hat mir etwas bedeutet und mich begleitet. Und wir werden noch viele, viele Abenteuer erleben, denn wir sind erst ganz am Anfang unseres neuen Lebens in Neuseeland. Aber jetzt? Jetzt habe ich ein paar Tage oder Wochen pausiert und gemerkt: Ich brauche das gar nicht mehr. Ich bin schreibmüde. Ich habe etwas wie Ruhe gefunden. Ich bin jetzt da, und wo ich jetzt bin ist es gut. Ich bin angekommen.

Dieser Blog endet hier und unser weiteres Leben führen wir nur noch für uns vier, auch das wird neu. Hunderte von Augenpaaren, manchmal tausende von Augenpaaren am Tag werden nicht mehr mitlesen, was wir machen, die Kinderschritte unserer Jungs verfolgen und wissen, wie es mir geht, mich aufmuntern, mich kritisieren, mich auf den Boden der Tatsachen zurückholen, mit mir lachen oder mit mir weinen – ich mache jetzt allein weiter. Allerdings bin ich nicht allein, denn ich bin hier, mit meiner Familie. Wir vier sind das was zählt und ich habe den Wunsch entwickelt, uns als Familie ohne Zuschauer zu erleben.

Wer nach Neuseeland reist und uns besuchen möchte, der meldet sich einfach per Email. Wer etwas über die Reise hierher wissen möchte, über die Auswanderung, über Kinderwunschtherapien oder über Zwillinge, über Campervans oder über was auch immer, der meldet sich auch. Wer sonst etwas sagen möchte kommentiert weiter fleissig und ich werde gerne antworten. Nur weiter bloggen, das möchte ich nicht mehr.

Mit vielen, vielen Worten und einigen Anläufen habe ich versucht, an dieser Stelle die richtigen Worte zu finden um mich hier und jetzt bei allen Leserinnen und Lesern die mich die letzten Jahre täglich begleitet haben zu bedanken. Allerdings fehlen mir dazu die richtigen Worte. Ausgerechnet mir. Nach über 1.400 Posts und zahllosen Worten sind sie mir ausgegangen. Eben diese. Die Worte. Also sage ich nur Danke. Danke für jeden Kommentar, jeden Klick, jede Teilnahme, laut oder still, jede Minute der Zeit um zu lesen, was wir so erlebt haben, für all die Emails und Nachrichten, für das ganze Herzblut. Nicht nur unser Leben hat Euch begleitet, ihr habt uns begleitet. Jeden Tag, jede Woche, jedes Jahr. Und bevor ich nun doch noch anfange Tränen zu vergiessen (denn ein Blog und seine Leser wird Teil des Lebens, fast wie ein Teil der Familie, verrückte digitale Welt) sage ich kurz und bündig: Danke.

Und haere rā.

Good Bye aus Auckland.

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Moving on.

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Ganz schoen still hier! Ich sagte ja, hier ist viel los. Wir haben viel erledigt in der letzten Woche und vor allem viele Probleme geloest die uns ziemlich an die Nieren gegangen sind. Nun haben schon wieder etwas neues auf dem Plan, hier herrscht auch wirklich nie Stillstand. Wir ziehen nochmal um. Denn das Haus, was wir eigentlich so schoen fanden, hat sich zum Alptraum entwickelt. Es ist kalt. Es ist so unfassbar kalt, man kann es kaum glauben wenn man es nicht selber erlebt hat. Es wird hier nie kaelter als 5 Grad, wenn die alleredings drinnen herrschen ist das ganz schoen fies. Wir haben wochenlang in Daunenjacken gefruehstueckt. Die Kinder wollen mittlerweile nicht mehr in der Kueche essen weil es ihnen zu kalt ist, alles ist kalt. Der ach so schoene Holzboden ist eisig. Wir haben zwei, drei Astloecher in den Dielen – von denen man direkt aufs Gras guckt. Wir haben keine Isolation, weder oben, noch unten, noch rechts, noch links. Der ach so schoene Kamin, vor dem wir uns sitzen sahen, feuert geradeaus nach oben hinaus, die Waerme hat wohl nur die Katze auf dem Dach gespuert. Mit dem Zug durch den Kamin ging auch gleich die teuer erkaufte Stromwaerme zum Himmel hinaus. Zumindest das bisschen Waerme, das noch nicht durch die undichten einfachverglasten Fenster entwischt ist. Und wir haben natuerlich keine Heizung, abgesehen von den zwei stromfressenden Oelradiatoren die wir angeschafft haben. Mittlerweile leben wir hauptsaechlich im Schlafzimmer, alle vier, wir essen dort, lesen dort, leben dort. Weiterlesen

Tag sechs ohne Papa: Warnstufe …. naja. Rosa.

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Tja, und schon sind wir wieder zu Hause. Der Tag war rasant und irgendwie hab ich es noch nicht ganz begriffen, aber wir sind wieder in Auckland.

Um acht Uhr begann unser Tag mit freudigen Kindern, blauem Himmel, Sonnenschein. Weil wir alle drei gut drauf waren sind wir ins Cafe und haben dort ein grosses Frühstück geteilt, mit Würstchen und Grilltomate, mit Butter Toast und Pancakes. Die Vögel zwitscherten und Neuseeland zeigte sich in seiner schönsten Idylle. Danach sind wir zum Strand gewandert, kein Zank, kein Streit, gute Laune. Ein wenig buddeln und Muscheln sammeln. Anschliessend wollten wir nach Whitianga um mit dem Glass Bottom Boat, was nun doch auch im Winter fährt, zu fahren – so hätte ich doch noch die Cathedral Cove sehen können, die Kinder hätten die Unterwasserwelt aus einer wind- und absturzsicheren Kabine bewundern dürfen und es klang alles ganz herrlich. Auf dem Weg zum Boot klingelte mein Handy und die nette Dame aus der Buchungsabteilung sagte, dass aufgrund der Umstände nun heute doch kein Boot mehr fährt. Ich dachte, sie meint Wind. Weiterlesen

Tag 5 ohne Papa. Banana Pancakes.

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Heute ist immerhin schon Mittwoch, fast schon 15 Uhr. Bis hierher habe ich es geschafft. Emil läuft mit meinem Handy auf und ab, hat die Lampe angeschaltet und untersucht die Mama. In den Mund schauen. “Ja okay!” sagt er, in die Ohren schauen “Ja auch okay!”. Rücken ableuchten und die Füße ansehen, Emil ist Doktor. Anton ist Polizei, auf dem Motorrad, und brüllt Brumm Brumm Brumm während er mit Vollgas um die Cabin brettert. Mama trinkt Wein. Ist ja immerhin schon fast drei. Weiterlesen

Tag vier ohne Papa. Zwei zu Null (Die Null bin ich).

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Zum Glück sind wir heute früh nach Whitianga gefahren. Der Ort ist zwar lieblos und kein Erlebnis, hat aber sowohl ein Warehouse als auch mehrere Supermärkte, also konnten wir uns mit dem ersten Sandspielzeug der Saison eindecken. Kurz darauf ging es nach Hahei, dem Ort vor der Cathedral Cove. Letztere wird für mich ein Postkartenmotiv bleiben, vorerst, denn der Weg vom Parkplatz zu der Sehenswürdigkeit ist alleine mit zwei Kleinkindern nicht machbar, ausgesetzte Stellen und tiefe Abhänge, dazu 40 Minuten One Way. Man könnte zwar per Boot dorthin kommen, aber Emil und Anton hassen Bootfahrten wie die Pest und wieder einmal ist auch das etwas, das man allein mit Zwillingen nicht machen sollte.  Weiterlesen

Tag drei ohne Papa: eine Niete

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Tag drei ist ein Albtraum. Antons Fuß ging es anfänglich besser, den kleinen Spaziergang durch die Farm konnte er problemlos meistern. Kurz danach fingen die Schmerzen allerdings wieder an, ich ärgere mich wahnsinnig, dass ich ihn überhaupt habe laufen lassen. Allerdings war bis dahin kein Zeichen von Problemen zu merken. Also wird er sich wohl über eine längere Zeit schonen müssen, was für einen fast dreijährigen nicht besonders leicht ist. Ich merke, wie schon nach drei Tagen mit den Kindern alleine körperlich und nervlich an meine Grenzen komme.  Weiterlesen